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Die Magie der frischen Betten

Es war eine dieser besonderen Winternächte, in denen die Luft klar und kalt war und die Sterne wie funkelnde Edelsteine am Himmel glitzerten. Talia, ein kleines Mädchen mit einer unersättlichen Neugier, hatte gerade ihre Zähne geputzt und schlüpfte in ihr frisch bezogenes Bett. In dem Moment, in dem sie die Decke über sich zog, spürte sie es: diese unbeschreibliche Behaglichkeit, die sie jedes Mal durchflutete, wenn die Bettwäsche frisch gewaschen war.

„Warum fühlt sich das eigentlich so gut an?“, fragte sie laut in den Raum hinein. Ihre Mutter, die gerade die Tür einen Spalt breit offen lassen wollte, blieb stehen und lächelte. „Möchtest du die Wahrheit wissen, Talia?“

Talia nickte eifrig. „Ja, bitte!“

Ihre Mutter kam zurück ans Bett, setzte sich zu ihr und begann mit leiser Stimme zu erzählen: „Es gibt eine alte, fast vergessene Geschichte über die Magie frischer Betten. Man sagt, dass in jedem Bett kleine, unsichtbare Wächter wohnen, die Kussfeen. Sie sind winzige, zarte Wesen, die mit dem Wind durch die Lüfte reisen und sich in frisch gewaschener Bettwäsche niederlassen.“

„Kussfeen?“, fragte Talia erstaunt.

„Genau“, bestätigte ihre Mutter. „Die Kussfeen lieben Sauberkeit und den Duft von frisch gewaschenem Stoff. Wenn du abends ins Bett schlüpfst, hüllen sie dich in eine unsichtbare Wolke aus Wärme und Geborgenheit. Man sagt, sie kitzeln dein Herz mit winzigen, magischen Küssen, die alle Sorgen vertreiben. Deshalb fühlt sich ein frisch bezogenes Bett immer so unendlich gut an.“

Talia schaute ihre Mutter mit großen Augen an. „Aber warum machen sie das?“

„Nun“, fuhr ihre Mutter fort, „die Kussfeen haben eine ganz besondere Aufgabe. Sie sorgen dafür, dass jeder Mensch zumindest für eine Nacht all seinen Kummer und seine Ängste vergisst. In der Stille der Nacht weben sie Träume aus Sternenlicht und Mondschein, die dich sanft in den Schlaf wiegen. Aber sie können nur in frisch gewaschener Bettwäsche wirken. Darum fühlen sich die ersten Nächte in einem frisch gemachten Bett immer am magischsten an.“

Talia kuschelte sich tiefer in die Decke. „Das erklärt alles… Aber wie sehen sie aus?“

Ihre Mutter dachte kurz nach. „Sie sollen winzige, glänzende Flügel haben, die in allen Farben des Regenbogens schimmern. Ihre Augen leuchten wie kleine Sterne, und wenn sie lachen, klingt es wie das Glöckchen einer fernen Elfenwelt.“

„Das klingt wunderschön…“, flüsterte Talia, ihre Augen wurden schwer. „Glaubst du, sie sind gerade hier?“

Ihre Mutter zog die Decke liebevoll bis zu Talias Kinn hoch. „Ganz bestimmt. Du kannst sie nicht sehen, aber du kannst sie spüren. Schließ deine Augen und lass sie ihre Magie wirken.“

Talia schloss die Augen, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Die Geschichte ihrer Mutter hatte ihr Herz mit Wärme erfüllt, und sie konnte beinahe das sanfte Flüstern der Kussfeen hören. In wenigen Augenblicken schlief sie tief und fest, eingehüllt in die magische Behaglichkeit ihres frisch gemachten Bettes.

Am nächsten Morgen wachte Talia mit einem Gefühl von Leichtigkeit auf. Und obwohl sie wusste, dass sie die Kussfeen niemals sehen konnte, versprach sie sich selbst, immer an ihre Magie zu glauben und darauf zu achten, dass ihr Bett regelmäßig frisch bezogen wurde.

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